Feuereifer und Trauerfeuer, Zwar ist Volker Weidermann nicht der erste, der nach Spuren der von den Nazis verbrannten Autoren sucht, aber seine Spurensuche war nicht nur erfolgreich, sondern liest sich auch hervorragend. Freilich hätte er außer Jürgen Serkes "Verbrannte Dichter" noch weitere, nicht minder verdienstvolle Fährtensucher wenigstens nennen müssen, zum Beispiel Walter Zedak, Jost Hermand oder Richard Drews und Alfred Kantorowicz, oder die von Jarmatz, Barck und Diezel herausgegebene "Exil in ..."-Reihe, die in den 70er Jahren in der DDR erschienen war (und noch einige andere). Und freilich hätte er noch eine Bibliographie anfügen können, denn man bekommt schon während der Lektüre Lust, sich mit dem ein oder anderen Autor näher zu beschäftigen -- aber wird oder wurde der inzwischen auch irgendwo wieder verlegt? Auch ein systematischer bibliographischer Nachweis der Erinnerungsliteratur wäre mehr als sinnvoll gewesen. Dass Weidermann all das ohne viel Mehraufwand hätte anführen können, liegt auf der Hand, denn man merkt nahezu jeder Seite an, dass er bemerkenswert gründlich und zeitaufwendig recherchiert hat. Damit wären aber auch schon die wind- und wetterfesten Kritikpunkte abgehakt; die Habens-Seite wiegt weitaus schwerer.
Feuereifer und Trauerfeuer, Zwar ist Volker Weidermann nicht der erste, der nach Spuren der von den Nazis verbrannten Autoren sucht, aber seine Spurensuche war nicht nur erfolgreich, sondern liest sich auch hervorragend. Freilich hätte er außer Jürgen Serkes "Verbrannte Dichter" noch weitere, nicht minder verdienstvolle Fährtensucher wenigstens nennen müssen, zum Beispiel Walter Zedak, Jost Hermand oder Richard Drews und Alfred Kantorowicz, oder die von Jarmatz, Barck und Diezel herausgegebene "Exil in ..."-Reihe, die in den 70er Jahren in der DDR erschienen war (und noch einige andere).
"Ein Mensch stirbt zweimal. Zuerst erleidet er den Tod, dann gerät er in Vergessenheit" (Talmud), Volker Weidermann ist den Lesern der FAZ und der FAZ am Sonntag seit langem bekannt als literaturbegeisterter Kritiker und auch als Förderer von junger Nachwuchsliteratur.
Nach langen Recherchen und "atemlosen" Lesen, wie er das nennt, hat er nun ein Buch vorgelegt, das 75 Jahre nach der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten im Mai 1933 all jenen vergessenen und geächteten Dichtern und Schriftstellern ein würdiges Denkmal setzt und dabei jenen alten jüdischen Weisheitssatz befolgt, der der Erinnerung eine große Macht zuschreibt für das Genesen und die Würde eine Volkes. Und er hat nicht geruht, bis er auch alle beisammen hatte, kein einziger sollte vergessen werden:
"Das vorliegende Buch beschreibt keinen Ausschnitt.
Berührt!, Wer liest schon gerne lange Bücher, die eine bloße Aufstellung von Autorenbiografien enthalten? Also, ich nicht.
Bei diesem Buch war es jedoch anders. Weidermanns Sprachstil und die von ihm mit viel Feingefühl niedergeschriebenen Details aus dem Leben der Schriftsteller, deren Titel im 3. Reich verbrannt wurden, trieben einen geradezu durch das Buch. Mehr und mehr wollte man erfahren, je weiter man gelesen hatte.
Wer liest schon gerne lange Rezensionen? Also, ich nicht.
Erst werden Bücher, dann Menschen verbrannt, Nach dem großartigen Buch "Lichtjahre" (s. auch meine Rezension vom 9.Juni 2006), einer kurzen Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis heute, blickt Volker Weidemann, Literaturkritiker und Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, in seinem neuen Buch auf die Zeit vor 1945 zurück. 1933 wurden von Wolfgang Herrmann Schwarze Listen" erstellt, auf denen 131 Autoren aufgeführt waren, deren Bücher aus Bibliotheken, Buchhandlungen und möglichst auch Privathäusern entfernt werden sollten. Am 10. Mai 1933 wurden dann aus barbarischem Ungeist dann in vielen Städten auf Scheiterhaufen Bücher verbrannt, die für die Nazis entartet, undeutsch oder nicht mit ihrer menschenverachtenden Ideologie vereinbar waren. Goebbels rief in einer flammenden Rede die Autoren auf, dessen Werke dem Feuer übergeben werden sollten. Seinem Aufruf zu dieser "Säuberungsaktion" folgten nicht nur SA-Leute, sondern auch Studenten, Professoren und Bibliothekare.
Volker Weidermann hat ausgiebig recherchiert und es sich jetzt zur Aufgabe gemacht, an all diese bekannten oder weniger bekannten Autoren zu erinnern, über jeden ein kleines Kapitel zu schreiben. Und indem dem Leser die Gelegenheit gibt, sich diese Autoren zu vergegenwärtigen, setzt er jedem ein kleines Denkmal, auch wenn der eine oder andere Autor kein großer Literat war. Wie dem auch sei, was literarisch keinen hohen Stellenwert erlangt muss man nicht entsorgen, indem man es verbrennt.
Auf der Liste, die der Autor durchgearbeitet hat, stehen vierundneunzig deutsch- und siebenunddreißig fremdsprachige Schriftsteller. Neben bekannten Namen wie Tucholsky, Kästner, Brecht, Remarque, Anna Seegers, Klaus Mann , Stefan Zweig und Jack London, sind auch vollkommen unbekannte Namen dabei, Autoren die es zu lesen aber allemal lohnt.
Farbig, sachlich und berührend, Man kennt das doch - da hat man ein Sachbuch, findet es eigentlich interessant und verendet doch auf halber Strecke. Nicht so bei Volker Weidermann. Fesselnd war es; mittels treffenden kurzen und doch aussagekräftigen biographischen Notizen und erhellenden Zitaten wird hier ein Panorama der Zeit, ihrer Literatur und ihrer Menschen entworfen. Man beginnt zu ermessen, welche Kultur damals ihr Ende fand. Mit dem angemessenen Respekt und doch die eigene Stimme erhebend schreibt Weidermann über die vielen Autoren, deren Bücher verbrannt wurden. Danke für dieses Buch.
(Wohltuend ist auch die alte Rechtschreibung.
Wer waren Hermann Essig, Alfred Schirokauer und Eva Leidmann?,
Am 10. Mai 1933 brannten auf den von Nazis errichteten Scheiterhaufen die Bücher von vierundneunzig deutschsprachigen und siebenunddreißig fremdsprachigen Autoren.
Mit diesem Autodafe, dem Auftakt eines hinreichend bekannten Vernichtungsfeldzugs, gelang den Nazis bereits ein wichtiges Etappenziel: Es wurde nicht nur die deutsche Literatur gleich geschaltet, sie erreichten auch, dass durch das Leben der verfemten Schriftsteller ein nicht mehr zu kittender Riss ging.
Wer waren Hermann Essig, Alfred Schirokauer und Eva Leidmann?, Am 10. Mai 1933 brannten auf den von Nazis errichteten Scheiterhaufen die Bücher von vierundneunzig deutschsprachigen und siebenunddreißig fremdsprachigen Autoren.
Mit diesem Autodafe, dem Auftakt eines hinreichend bekannten Vernichtungsfeldzugs, gelang den Nazis bereits ein wichtiges Etappenziel: Es wurde nicht nur die deutsche Literatur gleich geschaltet, sie erreichten auch, dass durch das Leben der verfemten Schriftsteller ein nicht mehr zu kittender Riss ging. Für nicht wenige kam die gespenstische, öffentliche Demontage einer völligen Vernichtung ihrer Existenz gleich.
Und das taten die Nazis nachhaltig und wirksam bis heute, fünfundsiebzig Jahre danach.
Denn viele Dichter und ihre Werke sind inzwischen völlig dem Vergessen anheim gefallen.
Jürgen Serke hat mit seinem 1977 erschienenen Buch "Die verbrannten Dichter" bereits eine große Leserschaft erreicht. Er hat für sein Buch einen Bruchteil der Autoren interviewt und ihnen damit noch einmal eine große Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.
Nun zu Volker Weidermann, der mit "Das Buch der verbrannten Bücher" erstmals an alle Autoren erinnert, deren Bücher einst vor den Augen der Deutschen in Flammen aufgingen.
Und damit hat er Pionierarbeit geleistet:
Denn der überwiegende Teil der Schriftsteller ist heute gänzlich unbekannt. Die Recherchearbeit für dieses Buch muss mühsam gewesen sein, Volker Weidermann musste sich durch ganze Bibliotheken lesen und bei mehr als einem Namen verliefen seine Nachforschungen im Sande.
Dennoch ist ihm etwas ganz Wunderbares gelungen: Die Lebensläufe und literarischen Ambitionen aller Autoren weitestgehend zu rekonstruieren und sie mit diesem Buch der Nachwelt in prägnanter Form vorzustellen.
Der Leser kann sich auf ein Buch voller Überraschungen einstellen: Denn Weidermann gelingen erhellende und faszinierende Rückblicke nicht nur auf vergessenes Schrifttum. Es entsteht ein Kontext aus Themen und Zeitgeschichte, ein literarisches "Großes und Ganzes".
Und Weidermann kann vor allem eines: Erzählen! Er stellt Zusammenhänge her, die für den Leser nachvollziehbar sind und ganze Zeitströme erklären.
Vom Scheiterhaufen der Vernunft erzählt dieses sehr lesenswerte Buch, "Die Gedanken sind frei..." - Autoren lieferten und liefern mit ihren schriftlich fixierten Gedanken, den Produkten ihrer Phantasien und Lebenserfahrungen also, nicht zuletzt Orientierungshilfen für nachfolgende Generarationen - in einer Diktatur, dem Führerprinzip bedingungslos folgend, muss jede Kritik bereits im Keim erstickt werden - was 1933 nicht ins gewünschte Weltbild passte wurde verbrannt - damals zuerst die Bücher, wenig später die Menschen...
Der 10.Mai 1933 hatte durchaus eine Vorgeschichte, die Propagandaktion ihre Strippenzieher, Handlanger, Förderer und trotz allem auch Verweigerer - "Das Buch der verbrannten Bücher" hat mich tatsächlich über Wochen hinweg beschäftigt - Volker Weidermann erzählt, sofern er verwertbare Hinweise finden konnte, aus dem Leben der oft vergessenen Autoren, beleuchtet deren Arbeit / Schreibstil, deren Standpunkte, benennt Gründe, sofern es diese gibt, warum ausgerechnet dieser Autor, diese Autorin den Nazis Dorn im Auge war...
Ein umfangreiches Buch, mit vielen unerwarteten Erkenntnissen, so zum Beispiel, dass mancher Autor, dessen Bücher verbrannt wurden, nach dem 10.Mai 1933 durchaus -wandlungsfähig- im Deutschen Reich verblieben ist, auf Linie gebracht, schreiben durfte...
Als die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland übernommen hatten, stand auf ihrer Agenda ganz oben, alles Undeutsche aus der deutschen Kultur zu eliminieren. Der 1904 in Alsleben an der Saale geborene Bibliothekar und Leiter der Berliner Geschäftsstelle der deutschen Zentralstelle für Volkstümliches Büchereiwesen des Volksbibliothekarverbandes Wolfgang Herrmann lieferte dafür 1933 erste Schwarze Listen mit den Titeln derjenigen Bücher, von denen er die Volksbüchereien gesäubert wissen wollte. Neben der 131 Autoren umfassenden Aufstellung der auszusondernden Schönen Literatur verfasste er Listen für die Gebiete Allgemeines, Kunst und Geschichte. In zahlreichen Städten wurden öffentliche Zeremonien veranstaltet, auf denen diese undeutschen Bücher dann feierlich verbrannt wurden. Volker Weidermann hat für Das Buch der verbrannten Bücher die Spuren ausnahmslos aller Autoren verfolgt, die damals auf der ersten schwarzen Liste der Schönen Literatur standen: Nicht jede Biografie der insgesamt vierundneunzig deutsch- und siebenunddreißig fremdsprachigen Schriftsteller hat er vollständig rekonstruieren können.