Keine nudelholzschwingende Matrone, Der Untertitel weckt ein wenig Misstrauen: "Die anmutige Rebellin" -- Anmut bei einer Rebellin scheint also die große Ausnahme und damit titelwürdig bemerkenswert, scheint es sich doch bei rebellischen Frauen nach landläufiger Meinung um nudelholzschwingende Matronen zu handeln.
Ganz ordentlich, aber da wäre mehr drin gewesen, Der Untertitel weckt ein klein wenig Misstrauen: "Die anmutige Rebellin" -- Anmut bei einer Rebellin scheint also die große Ausnahme und damit titelwürdig bemerkenswert, scheint es sich doch bei rebellischen Frauen nach landläufiger Meinung um nudelholzschwingende Matronen zu handeln. Diesen Fehlschluss hat die Autorin Gunna Wendt sicher nicht beabsichtigt, aber leider wirkt er ein klein wenig nach bei der ganzen Lektüre. Immerhin geht es hier um die Biographie einer der schillerndsten Persönlichkeiten der Münchner Bohème vor dem Ersten Weltkrieg, deren Lebensweise durchaus als Kampfansage an die Moralvorstellungen ihrer Zeit gesehen werden konnte und auch gesehen wurde.
Die hervorragend geschriebene Biographie einer Frau, die ihrer Zeit weit voraus war,
Einer ihrer Nachkommen hat sich in den letzten Wochen herabgelassen, bei einer der immer beliebter werdenden Sendungen nach dem Motto: XY sucht Frau als Graf Reventlow aufzutreten, der eine Gräfin sucht. Stolz prahlt er mit seiner berühmten Vorfahrin gegenüber Frauen, die weder über Geschichte, die Frauenbewegung oder gar den Feminismus auch nur den Hauch einer Ahnung haben und nur darauf aus sind, ins Fernsehen zu kommen. Der Graf seinerseits
Sucht die mediale Öffentlichkeit aus eher pekuniären Gründen. Mit dem Honorar des Privatsenders lässt sich doch so einiges auf dem großen Anwesen reparieren, und wenn er nebenbei eine Frau kennen lernt, so hat er nichts dagegen.
Seine eigenwillige und künstlerisch begabte Vorfahrin, deren von Gunna Wendt hervorragend recherchierte und in Szene gesetzte Biographie hier in einem Buch des ebenfalls vom Konkurs bedrohten Aufbau-Verlags vorliegt, hat sich mit solchen Nebensächlichkeiten nicht befasst. Sie hätte wohl kräftig gelacht über ihren Nachfahren, der sich in solche medialen Abhängigkeiten begibt.
Denn genau das ist offenbar ihre Sache niemals gewesen. Franziska zu Reventlow verlässt früh ihr Elternhaus, eng und protestantisch-preußisch richtig geführt, und geht nach München. Zuvor hat sie in der Familie lange als schwer erziehbar gegolten, doch sie hat sich durch die Flucht nach München früh der familiären und religiösen Zähmung entzogen und sucht und findet im Schreiben die Möglichkeit, ihre sozialisationsbedingten Grenzen zu sprengen.
1893 geht sie fort und macht im Bayrischen eine Ausbildung als Malerin. Es dauert nicht lange, da ist die eigenwillige und rebellische, immer auf ihre Unabhängigkeit auch als Frau bedachte Adlige Teil der dortigen Boheme. Viele damals bekannte Schriftsteller und Künstler zählen zu ihren Bekannten und Freunden. Schon einer von ihnen, Rainer Maria Rilke, sagte einmal, das Leben von Franziska zu Reventlow sei "eines von denen, die erzählt werden müssen."
Gunna Wendt tut das im vorliegenden Buch mit einer großen Liebe zum Detail und hervorragend recherchiert zum ersten Mal in Form einer Biographie.
Unerschrockene Bohemienne!, Es ist schon beinahe eine skurrile Ironie der Geschichte, dass die Lebensspanne der Schriftstellerin und Bohemienne Franziska zu Reventlow parallel zur wilhelminischen Ära verlief. Denn die 1871 in Husum geborene und 1918 verstorbene Fanny zu Reventlow lebte ein Leben, dass wirklich zu keinem Zeitpunkt mit den Idealen der Kaiserzeit harmonierte. Ihre Freiheitsbestrebungen brachten ihr früh immer wieder große Probleme ein und doch besaß sie stets den Mut, neue Wege zu gehen und auszubrechen.
Gunna Wendt hat dieser ungewöhnlichen Frau eine sehr lebendige Biographie gewidmet, die sich einerseits wie eine Chronik der Künstler- und Literaten-Boheme im München der Anfangstage des 20. Jahrhunderts liest und andererseits sehr gut darstellt, welche Hindernisse und Schwierigkeiten die eigensinnige und begabte Künstlerin zu überwinden hatte. Das Gunna Wendt nicht nur das Werk und das Leben der Reventlow sehr gut kennt, sondern sehr sorgfältig das Umfeld recherchiert hat und insgesamt Erfahrung in der Darstellung ungewöhnlicher Lebenswege von Künstlerinnen dieser Zeit hat, macht das Buch zu einem zusätzlichen Genuss!
Fanny wächst im Schloss Husum auf, trotz eines schwierigen Verhältnisses zur Mutter verlebt sie eine reiche und ihrem Adelsstand angemessene Kinderzeit. Nach anfänglichem Privatunterricht begehrt Fanny auf dem Internat erstmals auf und wird prompt hinausgeworfen.
Sie beginnt eine intensive Korrespondenz mit einem Freund, tritt dem "Ibsen-Club" bei und schult sich durch sehr intensive Lektüre.
Die kleinste Fessel war ihr unerträglich, Gunna Wendts Biographie ünber Franziska von Reventlow zeichnet auf kunstvoll-berührende Weise das Porträt einer Frau, die von Kindheit an gegen die Fesseln gesellschaftlicher Koventionen gekämpft, eine mutige Version von Frau- und Muttersein entworfen und gelebt hat - und doch den Zwängen der Konvention ein Leben lang nicht ganz entkommen konnte. Seit Teenagertagen hat mich mich diese "Königin von Wahnmoching", wie manche sie auch nannten, gefesselt und fasziniert; in verschiedenen Lebensabschnitten hab ich immer wieder ihre Briefe und literarischen Werke gelesen - ohne ganz schlau aus ihrem Charakter zu werden. Zwar hat "Fanny" auch jetzt noch manch ihres Geheimnisse vor mir - und wohl uns allen - verborgen gehalten, doch der klugen, sensiblen Analyse von Gunna Wendt ist es gelungen, das Bild runder und schlüssiger für mich zu machen, sowie interessante Aspekte und Verbindungen aufzuzeigen, die ich bislang noch nicht entdeckt hatte.
Unerschrockene Bohemienne!, Es ist schon beinahe eine skurrile Ironie der Geschichte, dass die Lebensspanne der Schriftstellerin und Bohemienne Franziska zu Reventlow parallel zur wilhelminischen Ära verlief. Denn die 1871 in Husum geborene und 1918 verstorbene Fanny zu Reventlow lebte ein Leben, dass wirklich zu keinem Zeitpunkt mit den Idealen der Kaiserzeit harmonierte. Ihre Freiheitsbestrebungen brachten ihr früh immer wieder große Probleme ein und doch besaß sie stets den Mut, neue Wege zu gehen und auszubrechen.
Gunna Wendt hat dieser ungewöhnlichen Frau eine sehr lebendige Biographie gewidmet, die sich einerseits wie eine Chronik der Künstler- und Literaten-Boheme im München der Anfangstage des 20. Jahrhunderts liest und andererseits sehr gut darstellt, welche Hindernisse und Schwierigkeiten die eigensinnige und begabte Künstlerin zu überwinden hatte. Das Gunna Wendt nicht nur das Werk und das Leben der Reventlow sehr gut kennt, sondern sehr sorgfältig das Umfeld recherchiert hat und insgesamt Erfahrung in der Darstellung ungewöhnlicher Lebenswege von Künstlerinnen dieser Zeit hat, macht das Buch zu einem zusätzlichen Genuss!
Fanny wächst im Schloss Husum auf, trotz eines schwierigen Verhältnisses zur Mutter verlebt sie eine reiche und ihrem Adelsstand angemessene Kinderzeit. Nach anfänglichem Privatunterricht begehrt Fanny auf dem Internat erstmals auf und wird prompt hinausgeworfen.
Sie beginnt eine intensive Korrespondenz mit einem Freund, tritt dem "Ibsen-Club" bei und schult sich durch sehr intensive Lektüre.
Ihr Entschluss, Künstlerin zu werden, ist unumkehrbar.
Sie geht nach München, besucht dort zunächst eine Malschule, verliebt sich in ihren Professor, kehrt zurück zu ihrem Verlobten und heiratet schließlich. Lange hält sie es in der norddeutschen Provinz nicht aus. Sie trotzt ihrem Mann einen weiteren Studienaufenthalt in München ab, nimmt die Treffen mit ihrem ehemaligen Geliebten wieder auf und trennt sich endgültig von ihrem Mann.
Sie beginnt zu schreiben, taucht ein in das freie Leben in den Ateliers und wird schwanger. Ihren Sohn zieht sie - oft vor enorme finanzielle Probleme gestellt - allein auf.
Die Grenzgängerin oder Rastlose Lebendigkeit, - Auf der Suche nach freieren, ungebundeneren Lebensformen -
"Die Jugend ist ihren professionellen Beobachtern nicht mehr zu rebellisch, sondern zu angepasst.", schrieb "DIE ZEIT" im Jahre 2005.
Ganz anders eine Frau, über die Rainer Maria Rilke vor über 100 Jahren bemerkte, dass ihr "Leben eins von denen ist, die erzählt werden müssen." Und er setzte noch hinzu "... und ich glaube, dass man es vor allem jungen Menschen erzählen muss, die das Leben anfangen wollen und nicht wissen wie."
Gunna Wendt, hat den Versuch unternommen, hinter die allgemein allzu oberflächlich wahrgenommene Fassade einer "Rebellin" und einer der schillerndsten Frauen der Schwabinger Künstlerszene des ausgehenden 19. und jungen 20. Jahrhunderts zu schauen und einer Frau gerecht zu werden, deren Lebensdaten mit denen des Deutschen Kaiserreiches identisch sind (1871-1918).
Franziska Gräfin zu Reventlow (getauft als Fanny Sophie Auguste Liane Adrienne Wilhelmine Comtesse zu Reventlow) - schon allein der Name weckt Assoziationen. Münchner Boheme fällt da sofort ein. Aber auch "ein Leben in Freiheit: ungebundene Liebe, erotische Abenteuer, eine freie Schriftstellerexistenz, Wohngemeinschaft und ein Kind ohne Vater.", berichtet Gunna Wendt in ihrem Prolog. Mit vielen Zuschreibungen wurde die Reventlow bedacht: "Heidnische Madonna, moderne Hetäre, Virtuosin des Lebens, grande Amoureuse, Schleswig-Holsteinische Venus, tolle Gräfin, Königin der Boheme, the woman who did, Ikone moderner Weiblichkeit - die Liste (...
Die eigenwillige und künstlerisch begabte Tochter erscheint ihren Eltern schon früh als schwer erziehbar. Die Widerspenstige entzieht sich ihrer Zähmung und entdeckt für sich eine Fluchtlinie, die ihre lebhafte Phantasie anregt und ihr gleichzeitig Sicherheit verleiht: das Schreiben. 1893 geht sie von Husum nach München, um sich als Malerin ausbilden zu lassen und in der Boheme ein Leben in Freiheit zu realisieren. Sie entwickelt die Utopie einer erotischen Kultur, lebt radikal, souverän und unverhohlen einen subtilen und individuellen Lebensstil.