Brechts Leben im Schnelldurchgang, Auf weniger als 150 Seiten schafft uns Reinhold Jaretzky einen Überblick über Brechts Leben und Werk. Das ist ambitioniert, gelingt ihm aber erstaunlich gut. Er findet ein Gleichgewicht zwischen Brecht als Privatperson, als Lyriker und, wie er ihn gerne nennt, als Stückeschreiber. Besonders diese Kombination von Privatem und Profissionellem lassen sein Werk für mich in einem neuen Licht erscheinen. Die Beschreibung seiner Genialität, seines Arbeitseifers gepaart mit dieser fragilen und ängstlichen Person, die Jaretzky schön herausarbeitet und meist an Brechts Liebschaften mit verschiedenen Frauen zur gleichen Zeit verdeutlicht, macht die Qualität dieser Kurzbiographie aus.
Einen Punktabzug gibt es für den abrupten Schluss. Dort verweist uns der Autor knapp darauf, dass unser heutiges Interesse an Brecht vor allem der Kraft und Orginalität seiner Sprache gelten sollte und weniger seiner politischen und pädagogischen Bedeutung. Brecht als Lehrmeister habe ausgedient...
Brecht, ein Mensch in seinem Widerspruch, Was bleibt 50 Jahre nach Brechts Tod? Ein Dichter, den man jenseits parteipolitischer Vorbehalte genießen darf, weil er er große Kunst hevorgebracht hat. Zu diesem Schluß kommt Reinhold Jaretzky in seiner Monographie, in der er einen Spannungsbogen schlägt von der Jugend eines Bürgerschrecks aus gutbürgerlichem Hause, von einem, der nicht aus innerem Drang heraus schrieb, sondern von Anfang an das Stückeschreiben als Brotberuf betrachtete bis über den Tod des gleichzeitig bewunderten und geschmähten Nationalpreisträgers der DDR hinaus in unsere Gegenwart. Bisher wenig bekannte Details über Brechts für seine Mitarbeiter anstrengende Arbeitsweise, das von ihm konsequent als Einheit gelebte Berufs-, Privat- und Liebesleben werden ohne Voyeurismus im zeitgeschichtlichen Kontext dargestellt. Wir lernen einen Autofan, Geschäftsmann, wenig vorbildlichen Vater, Exilanten, Lyriker und Theaterdirektor mit despotischen Zügen näher kennen, wobei auch seine Mißerfolge und Fehler kritisch betrachtet werden. Erfreulich ist die Feststellung, daß die Theatertheorien Brechts nunmehr eher von kunsthistorischem Interesse sind. Damit wurden Oberschüler früher zuweilen so arg gequält, daß ihnen der ganze Spaß an der Dichtung zumindest zeitweise vergehen mußte.
Fünfzig Jahre nach Brechts Tod ist es an der Zeit, Leben und Werk dieses Autors neu zu betrachten. Dabei kommt Reinhold Jaretzky zu überraschenden Ergebnissen. Der vermeintlich angestaubte Klassiker fasziniert zwar weiterhin als Autor einer unverwüstlichen Dramatik. Ins Blickfeld rücken aber verstärkt der Antibürger Brecht, der sprachgewaltige Lyriker und der fast unbekannte radikaldemokratische Medientheoretiker. Zu dieser Monographie gibt es auch ein Hörbuch.
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