Ganz hier und ganz im Nirgendwo, "Sie ist eine Weltenerfinderin, eine Weltenschöpferin, eine Eigenweltenbewohnerin, auch - darin liegen ihr Glück und ihre Tragik zugleich - eine Eigenweltinhaftierte. Für jeden Anderen mögen diese Worte zu groß sein, für Else Lasker-Schüler sind sie gerade groß genug." Kerstin Decker, die bereits mit Paula Modersohn-Becker und Heinrich Heine erstklassige Künstler-Biografien vorgelegt hat, ist erneut ein großer Wurf gelungen.
Lasker-Schülers Gedichte muss man einfach lesen, Dies ist die erste Biografie die ich über Lasker-Schüler lese und kann nicht aufhören.
Die Gedichte sind aus einer anderen Welt, gemalt, wie Rosen eines frühen Morgens, wie Tage des Honiglichts, tanzende Trauer in Balance zwischen Kommen und Gehen, das alte Lied des Wassers. Die Gedichte sind wie die Wiegenlieder einsamer Nächte - trotz Erotik, trotz Sinnlichkeit.
Lasker-Schülers Briefe verwirren mich. Da blitzt oftmals das Chaos durch, die Not des Sagen, wie die Autorin so wunderbar schreibt. Ich würde vielleicht sagen, die Not des Sagenmüssens. Manchmal machen die Worte wirklich einen Bogen um die einzig relevante Frage: Bist du wie ich?
In vielem habe ich mich wiedergefunden.
Ein sehr gutes Buch für all die, die Lyrik und Poesie lieben.
Gefühl und Genius, Das Leben der Else Lasker-Schüler ist ein kompromissloses: Gefühl und Genius, gelebt in der Totale. Wenngleich die vorliegende Biografie den Topos der "Dichterin" arg strapaziert und sich sehr auf das Emotionale beschränkt, gelingt es ihr doch, wesentlichen Lebenslinien nachzuspüren: der Kinderseele, dem mehrfachen Heimatverlust, dem Prinzip des Flüssigwerdens. Dass eine Biografie der Chronologie nicht immer streng folgen kann und schon gar nicht muss, weiß, wer neugierig darauf ist, das grundlegende Muster des Dicherinnenlebens durch die biografische Erzählung hindurch zu erkennen. Dieses Buch macht das dem neugierigen Leser nicht leicht; der pseudoexpressionistische Stil, mit dem die Biografin sich der Biografierten annähert, irritiert dabei ebenso wie die zahlreichen Seitenhiebe gegen die germanistische Lasker-Schüler-Forschung. Dies mag eine Sympathiebekundung mit dem antiakademischen Duktus Else Lasker-Schülers sein. Bei einer Biografin, deren Arbeitsgrundlage alleine eine kritische Werkausgabe darstellt, die auf der minutiösen Detailarbeit in Archiven und Nachlässen beruht, welche ihr somit von den geschmähten Germanisten abgenommen wurde, wirken die mehrfachen Ausfälle jedoch wahrhaft überzogen. Was nach der Lektüre bleibt, ist die Faszination von einer Dichterin, die sich das Traumreich einer Lebenswelt zu schaffen und gegen alle von Zeit und Raum bestimmten Widrigkeiten verteidigen vermochte, bis zum letzten Atemzug.
»Eine aus großer Anteilnahme heraus geschriebene Lebensgeschichte, die den Vorzug hat, eine Figur in ihrer Zeit lebendig werden zu lassen.«Jörg Magenau, Süddeutsche Zeitung, 11.8.2010 »Kerstin Decker hingegen spricht kein Urteil über ihre Protagonistin. Am Anfang ihres Buches steht das Motto Biographie ist radikale Vergegenwärtigung. Das hat Decker eingelöst – mit einer emotionalen, teilweise szenischen und assoziativen Sprache, die es dem Leser nicht leicht macht, sondern ihn herausfordert. So sehr, dass man am Ende des Buches eigentlich wieder von vorn beginnen will.« Deutschlandradio Kultur, Marcus Weber, 23.11.09 »Kerstin Deckers neue Biografie über Else Lasker-Schüler ist in ihrer Perspektive wirklich neu. Sie macht keinen Versuch der Vermittlung, sie übersetzt dieses Leben nicht in Begriff unseres Alltag, um es dem Normalverbraucher näher zu bringen. Sie nimmt die Dichterin ganz ernst, lässt sie in ihrer Eigenwilligkeit stehen, folgt ihr in die Einsamkeit ihres Schneckenhauses. Kerstin Decker zeigt uns die Welt durch Else Lasker-Schülers Augen, und sie nimmt die Dichterin beim Wort. Ihre Biografie ist parteiisch, und das ist gut so.« Die Welt, Jakob Hessin, 12.12.
ไม่มีความคิดเห็น:
แสดงความคิดเห็น